Wappen der Rösrather Partnerstädte

Städtepartnerschaft Rösrath


Pressespiegel 2007

Kölner Stadt-Anzeiger 31. Juli 2007

Ein Bürgermeister, der für alle Buße tut

Rund 40 Rösrather fuhren zur Prozession in die Partnerstadt Veurne - Dieter Happ trug Kreuz und rote Socken

von Kerstin Hedrich

Rösrath/Veurne -   Pünktlich um 15.30 Uhr erklingt „T'Bomtje“. Die 1379 gegossene Glocke ... begleitet mit monotonem Läuten die Prozession. Mucksmäuschenstill wird es für die nächsten Stunden im belgischen Veurne, während die jährliche Büßerprozession, die „Boetprocessie“, durch die Straßen zieht - wieder unterstützt von einer Rösrather Gruppe. Die Kirmesbuden werden geschlossen, von den rund 20000 Zuschauern am Straßenrand ist nur ab und zu ein Flüstern zu hören. Fanfaren erklingen. „Erzengel Michael“ mit dem Flammenschwert führt den Zug der rund 1000 Büßer an.

Vermummt und in grobe braune Kutten gehüllt, ziehen sie durch die Straßen, Männer und Frauen. Manche ziehen Karren, auf denen mit hölzernen Figuren biblische Szenen nachgestellt sind. Andere tragen die Rüstungen römischer Legionäre: Sie begleiten „Pontius Pilatus“, der sich vor der mit Geistlichen besetzten Tribüne die Hände in Unschuld wäscht. Allerliebste kleine Engelchen singen „Gloria in excelsis Deo“, Palmzweige werden geschwungen beim Einzug nach Jerusalem, ein Christusdarsteller trägt das schwere Kreuz an der schweigenden Menge vorbei. Aber auch Noah, Moses und die Propheten ziehen in bunte Gewänder gehüllt, durch die Stadt. Nicht nur menschliche Akteure prägen den Aufzug: Zahlreiche Schafe, Esel und Pferde werden für die Darstellung biblischer Szenen eingesetzt.

Das Ende der Prozession - und damit der Höhepunkt - naht: Die Trommel schlägt, die Büßer kommen. Um die 300 sind es, unkenntlich in eine Kutte gehüllt, trägt jeder sein Kreuz. Mit dem lateinischen „Miserere mei deus“ flehen sie um göttliche Gnade. Manche tragen Turnschuhe, andere Sandalen, viele gehen den rund fünf Kilometer langen Rundweg barfuß.

„Do kütt d'r Dieter“

Einer der Teilnehmer fällt auf: Er trägt rot leuchtende Socken. Die Rösrather am Straßenrand schubsen sich an: „Do kütt d'r Dieter.“ Tatsächlich ist es Bürgermeister Dieter Happ auf seinem Bußgang. Den Kopf gesenkt, trägt er sein 39 Kilo schweres Holzkreuz. Ohne nach rechts oder links zu blicken, zieht er mit den anderen Büßern vorbei.

Ein wenig verspätet waren an diesem Sonntagmorgen die rund 40 Rösrather auf dem historischen „Grote Markt“ des belgischen Städtchens eingetroffen - schließlich hatten sie fast 400 Kilometer zurückgelegt. Um sechs Uhr morgens war der Reisebus in Hoffnungsthal gestartet, gegen 11.30 Uhr wurden die Gäste von Fremdenführer Piet Lapauw im historischen Rathaus empfangen.

Bevor zur Begrüßung im „Steinernen Saal“ das starke Trappistenbier kredenzt wurde, gab Lapauw eine kurze Einführung in die wechselhafte Geschichte der Stadt nahe der Nordseeküste, die einst von den Spaniern regiert wurde. Sie waren es auch, die 1646 die „Boetprocessie“ einführten. Ihre Herrschaft hatte dunkle Seiten: Lapauw berichtete von den Hexenprozessen der Inquisition, 39 Opfer wurden auf dem Veurner Marktplatz verbrannt. Ein Besuch im finsteren Gerichtssaal ließ manchen Rösrather erschauern. Lapauw führte die deutschen Gäste auch in die kleine Kapelle nebenan: Dort konnten die Delinquenten einst vor der Hinrichtung die letzte Beichte ablegen. Beim Bier mit ihren Gastgebern konnten die Besucher dann erst mal die finstere Vergangenheit vergessen.

Bürgermeister Dieter Happ bereitete sich derweil schon mal auf den Bußgang vor, an dem er in den vergangenen Jahren immer wieder teilgenommen hat. „Ich büße für 27000 Rösrather mit, damit die alle mal vernünftig werden“, sagte der Bürgermeister. Zuvor hatte er an die Geschichte der Städtepartnerschaft erinnert, die seit 1974 besteht. Auslöser war der Besuch des Rösrather Tambourcorps in der nahen Küstenstadt De Panne gewesen. Seit 1990 besuchen Delegationen aus Rösrath regelmäßig die Büßerprozession.

Nach der Prozession blieb den Rösrathern gerade noch genug Zeit, ein wenig vom berühmten Veurner Schinken oder ein paar Flaschen würzigen Schwarzbiers einzukaufen. Um 18 Uhr startete der Bus am Kaaiplaats zur Rückreise. Und wer da zu spät kam, dem drohte schwere Buße: „Der muss mit der Bahn zurück fahren“, hatte der Bürgermeister rigoros angekündigt. „Wir warten nicht.“ Zum Glück waren alle pünktlich.


An seinen Socken sollt ihr ihn erkennen. Ganz vermummt im Büßergewand hätte man Bürgermeister Dieter Happ kaum von den anderen Prozessionsteilnehmern unterscheiden können - wären da nicht die roten Socken gewesen.

siehe auch: Impressionen vom 29.07.2007



Anmerkung:
Wir bedanken uns beim "Kölner Stadt-Anzeiger" für die freundliche Unterstützung unseres Pressespiegels.