Wappen der Rösrather Partnerstädte

Städtepartnerschaft Rösrath


Abgeordnete des Europa-Parlaments in Straßburg diskutieren über: „Neue Wege in der europäischen Partnerschaft“

Sketch anlässlich des 6. Deutsch-Französischen Dialogs im Bürgerforum Bergischer Hof in Hoffnungsthal am 20. März 2009

von Claus Hagenberg



Personen: (sitzen im Halbkreis vor einer europäischen Flagge)
Reporterin Maike Offermann
Dolmetscherin Maja Remmel
Elsässer - leichter französischer Akzent Dominik Diehl
Pole - spricht nur polnisch Tymon Napp-Molinski
Franzose - starker französischer Akzent Jan Kurtz
Engländer - britischer Akzent Christopher Warnecke
Boy mit Namenstafeln Philip Müller

Reporterin: Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich melde mich hier aus dem Europaparlament in Straßburg, wo die verschiedenen Abgeordneten und Kommissionen die nächste Debatte über "Neue Wege in der europäischen Partnerschaft" vorbereiten. Wir befinden uns im Sitzungssaal 3 B, wo eine Gruppe von Delegierten ihren Beitrag diskutiert. Wenn Sie sich bitte vorstellen würden, meine Herrschaften.
Franzose: Bonsoir. Je m´appelle Jean Boulanger. Ich komme aus Toulouse und ...
Reporterin: (fällt ihm ins Wort): Monsieur Jean Boulanger, meine Damen und Herren - Hans Bäcker aus Toulouse.
Pole: (auf polnisch): Nazywamsic Carol Rybac i ...
Dolmetscher: Wir begrüßen Karl Fischer aus Lodz.
Engländer: May I introduce myself. I am Mike Butcher from Brighton.
Dolmetscher: Natürlich, Michael Fleischer aus Brighton --- und zuletzt unser Freund aus dem Elsass: wenn auch Sie sich bitte vorstellen würden:
Elsässer: Avec plaisir. René Cul.
Dolmetscher: Wie bitte? René ...?
Elsässer: Cul. C-u-l.
  Betretenes Schweigen. Leises Gemurmele und Gelächter.
Reporterin: Ja, wie sollen wir Herrn Cul nun vorstellen?
Dolmetscher: Arsch, ganz einfach Herr Arsch in der Übersetzung.
Elsässer: (aufbrausend): Excusez-moi, aber dazu müssen Sie wissen, dass ma famille ursprünglich Lagarde hieß. La-gar-de. Und dann kam dieser verdammte Guerre franco-allemande von dix-huit cent soixante-dix.
Dolmetscher: Er meint den deutsch-französischen Krieg von 1870/71.
Elsässer: Die Deutschen siegten in eine Blitzkrieg, nahmen unsere elsässische Heimat fort, die immer schon pomme de discorde - wie sagt man ?
Reporterin: Sie meinen "Zankapfel"
Elsässer: C´est ça, die Elsass war immer schon Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich, und ab 1871 alles musste tanzen nach (Befehlston) DEUTSCHE Pfeife. Und meine arrière-grand-père ...
Dolmetscher: (gelangweilt): Urgroßvater ...
Elsässer: ... er musste nom de famille ändern in Wache. Lagarde nun übersetzt in ...
Engländer: Hören Sie, Sir, ihre Namenshistory interssiert hier wirklich nobody. Viel wichtiger ist, my dear friends, wie wir nun reagieren auf die Osterweiterung unserer european Union. Nach die Ära Gorbatschow und die Fall der Mauer in Berlin, wir haben nun keine Block-Denken anymore in Europe, keine guards, keine Wache mehr an Grenze ...
Elsässer: (ins Wort fallend): Wache - écoutez, mesdames, messieurs: als notre Alsace dann nach die première guerre mondiale nach die défaite der Deutschen wieder französisch wurde, musste auch arrière-grand-père erneut seine Passeport ändern und man nannte Familie Wache dès maintenant Vache.
Franzose: Oh la la, la vache! (Ausdruck des Erstaunens) C´est vachement bête, ça, cher ami, finissez mit diese alte épisodes aus die histoire der deutsch-französische relations. Tout est bon maintenant, pas de problèmes mehr entre Deutschland et la France seit de Gaulle et Adenauère.
Reporterin: (nüchtern analysierend): Mit Frau Merkel und Herrn Sarkozy sind heute zwar zwei sehr unterschiedliche Charaktere an der Regierung ...
Franzose: (ins Wort fallend): D´accord, aber die dumme épisode von Monsieur Cul lenken ab von die aktuelle Herausforderungen für die europäische Gemeinschaft : die internationale Wirtschaftskrise par exemple, l´union monétaire ...
Engländer: ... die Dependance der Europäer from die Gas of Russia ...
Pole: Wstapiene Turcji do Uni Europejskiej spowodowaloby wiele klopotow.
Dolmetscher: Unser polnischer Freund erinnert an den möglichen Beitritt der Türkei und die damit verbundenen Probleme.
Franzose: ... oder auch die lutte contre le SIDA - wie sagt man in deutsch?
Dolmetscher: Sie meinen den gemeinsamen Kampf gegen AIDS vor allem in Afrika.
Engländer: ... die Combat gegen die international terrorism ...
Elsässer: (quengelnd): Meine grand-père, Monsieur Vache ...
Pole: (enthusiastisch): Srodki zaradcze na zwalczanie zanieczyszczenia srodowiska!
Dolmetscher: (gelangweilt, mit Finger auf den Polen zeigend): ... oder Maßnahmen gegen die Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt.
Engländer: We must hier in die nächste Sitzung deutlich machen, dass in diese Fragen durchaus auch die Städtepartnerschaften gefordert sind, neue Wege zu gehen, Perspektiven zu entwickeln ...
Elsässer: Meine grand- père, alors, Charles Vache ...
Franzose: Arrêtez donc!
Reporterin: Nun lassen Sie ihn doch mal zu Worte kommen. Er hat doch offensichtlich ein Problem mit seinem Namen. Was war mit ihrem Großvater Charles Vache, Monsieur Cul?
Elsässer: ... in die époque von die occupation de la France und die collaboration du gouvernement de Vichy, als die Elsass wieder deutsch zu sein hatte, il devait s´appeler - er musste sich nennen nicht mehr Charles Vache, sondern Karl Kuh, weil ...
Pole: Karl Kuh?! ... (lacht)
Elsässer: (immer verzweifelter): ... und aus Kuh haben die Franzosen dann nach 1945, als meine Heimat wieder ...
Pole: Nie chce dopuscic do zlej interpretacji! Ciagle powraca do niemiecko-francuskich problemov I kinfliktow ...
Dolmetscher: (eingenickt)
Pole: Prosze PANI!
Dolmetscher: Entschuldigung. Ja, er meinte dass der Herr aus dem Elsass nicht locker lässt. Immer wieder kommt er auf seine deutsch-französischen Probleme zurück.
Elsässer: ... aus Kuh haben sie gemacht phonétiquement Cul. Voilà la tragédie!
Engländer: Apropos Cul - oh, pardon me, Kuh. Auch die Milchwirtschaft and the creation of an european Milchbörse stehen auf die Tagesordnung von die nächste Sitzung.
Franzose: Voilà un problème sérieux. - die Abschaffung der Milchquote würde provoquer eine Steigerung der Milch-production und eine Preissturz, was justement belasten würde die arme Länder, les pays pauvres - et nous aurions vraiment le cul entre deux chaises ...
Elsässer: Maintenant, ça suffit. Ce monsieur se moque de moi. Jetzt macht er sich auch noch lustig über mich. Das brauche ich nicht mir gefallen zu lassen. C´est trop! (verlässt erbost die Runde)
Franzose: Mais M. Cul!
Pole: Co pan powiedzial?
Dolmetscher: Was haben Sie denn gesagt?
Franzose: Avoir le cul entre deux chaises.
Engländer: What does that mean?
Dolmetscher: Das ist so eine Redensart, um auszudrücken, dass man zwischen zwei Stühlen sitzt.
Franzose: Mince alors! Voilà, c´est un malentendu, un malentendu idiot. Je le regrette.
Reporterin: Les malentendus - meine Damen und Herren zu Hause am Bildschirm und hier im Saal. Missverständnisse, die zu Misstönen und Spannungen führen - vielleicht ist es ja auch eine ganz wichtige Herausforderung für unsere gemeinsame Zukunft in Europa, nicht nur mit einem halben Ohr aufeinander zu hören, den anderen ausreden zu lassen und, vor allem, die Sprache des Partners zu lernen. Es ist ein nicht hoch genug anzusetzendes Kapital, sich möglichst viele Sprachen anzueignen, um den anderen mit seiner Kultur, seinen Traditionen und seinen ganz spezifischen Erfahrungen besser zu verstehen und zu respektieren. Dies ist und bleibt gewiss eine der wichtigsten Herausforderungen für unsere Zukunft in einem vereinten Europa, und auch hier können Städtepartnerschaften viel dazu beitragen, Sensibilitäten zu wecken und Möglichkeiten des konkreten Handelns zu schaffen, auch und vor allem für die junge Generation.



Neue Wege in der Städtepartnerschaft

Deutsch-Französischer Dialog 2009
Bürgerforum Bergischer Hof, Hoffnungsthal
20. März 2009

Diskussionsforum mit: Gérard Foussier, Journalist und Chefredakteur der Zeitschriften "Documents/Dokumente", Gereon Fritz, Pressereferent der "Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften", VDFG, Gert Hammer, ehemaliger Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerkes, DFJW, Gérard Thieser, Präsident der "Fédération des Associations Franco-Allemandes pour l'Europe, FAFA, Dietmar M. Woesler, Leiter des Instituts für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit, IPZ.


siehe auch: Neue Wege der Partner (BLZ 24.03.2009)

siehe auch: Reges Interesse an Partnerschaft (KStA 26.03.2009)