Wappen der Rösrather Partnerstädte

Städtepartnerschaft Rösrath

Journal-Archiv · Rösrather Partnerschaftsjournal · 3. Ausgabe 2004

Deutsch im Purzelbaum

Hmmm... es ist Juni und ich habe noch keine Ferienpläne. Da erinnere ich mich an ein kleines Schild unter dem Ortsschild meines Dorfes. Es zeigt an: Partnergemeinde von Rösrath. Jetzt oder nie! Ich muss herausfinden, was Partnerschaft wert ist. Vielleicht hilft sie mir bei der Verbesserung meiner recht erbärmlichen Deutschkenntnisse. Ich wende mich an Sigrid Pasty. Mitglied unseres Partnerschaftskomitees, und trage ihr mein Anliegen vor: ein Praktikum in Rösrath, um die Sprache besser zu lernen.
Kurz darauf teilt Sigrid mir mit, dass ich im August in einem Kindergarten in Rösrath arbeiten könne und für meine Unterkunft gesorgt sei.

Gesagt getan. Der rote Zug fährt in Paris vor, und ich steige ein. In Köln erwartet mich Herr Mauer, der deutsche Partnerschaftsbeauftragte, auf dem Bahnsteig, und in Forsbach empfängt mich Frau Mauer herzlich.
Am nächsten Tag begleitet mich Herr Mauer zu meinem ersten Arbeitstag in die Kindertagesstätte "Purzelbaum" in Hoffnungsthal. Brigitte, die Leiterin führt mich bei den anderen Erzieherinnen und den Kindern sowie in den Dienstplan ein. Der ist perfekt: Ich kann mich gleichzeitig in der Küche nützlich machen und mit den Kindern spielen. Beides war das Gleiche. Alle helfen mir. Zuerst sprechen wir mehr mit Gesten und mit Lachen als mit Worten; aber ich merke, wie mein Deutsch nach und nach Fortschritte macht.

Die Wochenenden sind für mich ein Erlebnis. Seltsam, wenn man bedenkt, dass ich niemanden in meinem Alter kenne. Ich kann über meine Freizeit vollkommen allein verfügen, und Frau Mauer überlässt mir einen Schlüssel für das Haus. Per Bus und per Bahn fahre ich nach Köln und Bonn. Besonders Köln hat mein Herz gewonnen. Das ist eine schöne, mit Leben erfüllte Stadt mit herrlichen Museen, vor allem das Römisch-Germanische Museum. Die Mauers nehmen mich mit ins Barockkonzert und zu einem großartigen Feuerwerk nach Brühl. sie laden mich ein in das Landhaus ihrer Tochter in der Eifel, wo ich im Kreise der Familie die herrliche Stimmung deutscher Abende erlebe. An meinem Geburtstag bereiten sie mir einen Gabentisch, und zur Krönung des Festes öffnen sie einen 1986er Sauternes erster Güte. Und das alles nur für mich!

Die Deutschen sind herzlich und gastfreundlich und ich schätze ihre Art zu leben. Die Partnerschaft ist nicht nur eine gute Idee, die die Deutschen und die Franzosen näher zusammenbringt. Sie ist darüber hinaus effektiv. Sie ist genial. Ich kann nur sagen: danke!
Véronique Mervoyer

  


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Ankunft der Praktikantin Véronique