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Städtepartnerschaft Rösrath

Journal-Archiv · Rösrather Partnerschaftsjournal · 10. Ausgabe Februar 2008

Kirchenchor „Cäcilia“ in Veurne

Am frühen Morgen des 16. Juni 2007 traf sich der Kirchenchor „Cäcilia“ zu Volberg auf Einladung unserer belgischen Partnerstadt Veurne auf dem nach ihr benannten Veurne-Platz, um den bequemen Reisebus zu besteigen, der uns an die belgische Küste bringen sollte. Bei durchwachsenem Wetter erreichten wir nach rund vierstündiger Fahrt, unterbrochen durch eine kurze Pause, unser Ziel. Die Chormitglieder wurden begleitet durch andere Rösrather Bürger, die das Angebot zur Mitfahrt gerne annahmen, sowie den Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Rösrath, Herrn Rainer Mauer. Die Stimmung unter den 35 Reisenden im Bus war von Anfang an ausgezeichnet, so dass die immerhin fast 400 km lange Autobahnfahrt nicht langweilig wurde.

Bereits auf den letzten hundert Metern vor dem Busparkplatz im Zentrum konnten wir uns von der Schönheit unserer Partnerstadt überzeugen. Viele von uns waren zum ersten Mal in Veurne und staunten nicht schlecht über das wunderschöne Ensemble historischer Gebäude rund um den großen Platz vor dem Rathaus. Wie es bei Touristen in aller Welt üblich ist, klickten auch bei uns erst einmal die Verschlüsse zahlreicher Kameras, um die Eindrücke auf einem Film oder einer elektronischen Speicherkarte festzuhalten. Auch tat uns die frische Seeluft nach der langen Fahrt gut.

Kurz danach wurden wir von den Gastgebern bei einem Glas frischen belgischen Bieres herzlich empfangen. Auch einige Sängerinnen und Sänger des „Veurne Vocal Emsemble“ hatten sich zu unserer Begrüßung eingefunden.
Es folgten Ansprachen durch den Bürgermeister von Veurne, Herrn Jan Verfaillie, unseren Partnerschaftsbeauftragten sowie den Vorsitzenden des Chores, teilweise in radebrechendem Flämisch. Dabei erwiesen sich die Belgier als sehr umsichtige und zuvorkommende Gastgeber. Aber auch die „Abgeordneten“ unserer Stadt bemühten sich, die Herzlichkeit, die uns allenthalben entgegenschlug, in gebührender Form zu erwidern. Der Chor tat dies zusätzlich mit einem Begrüßungslied, in dem von Freundschaft die Rede ist. In der Tat hatten wir von Anfang an das Gefühl, bei Freunden zu Gast zu sein.



Noch näher rückten wir zusammen, als wir auf dem gemeinsamen Weg zum Mittagessen, der sog. Brotmahlzeit, in einen respektablen Wolkenbruch gerieten und Veurner mit Rösrathern sich den Schirm teilen mussten. Die Brotmahlzeit fand am Rösrathplein in einem Saal in der Nähe des Rathauses statt und bestand neben einer kräftigen Suppe aus einer herzhaften Brotzeitplatte. So gestärkt konnten wir danach unsere Quartiere aufsuchen. Das einzige Hotel am Platz war fest in deutscher Hand; zusätzlich bezogen einige Chormitglieder bei Gastfamilien Quartier. Für den Nachmittag war eine Führung durch das historische Rathaus unter Leitung eines exzellent deutschsprechenden Fremdenführers, eines pensionierten Lehrers, angesetzt. Mit viel Charme und Humor zeigte er uns die beeindruckenden Räume dieses Gebäudes und erläuterte dessen Geschichte und wichtige Begebenheiten, die sich in ihm abgespielt hatten. Vieles erfuhren wir auch über die Geschichte der Stadt Veurne. Dabei sparte er auch die Zeiten nicht aus, in denen zwischen den Städten Deutschlands und Belgiens kein Friede und keine Freundschaft herrschten, doch ohne die geringste Spur von Bitterkeit und mit großem Einfühlungsvermögen. Ein kurzer Stadtrundgang durch die verwinkelten Gassen bildete den Abschluss dieser hochinteressanten Führung. Die Zeit bis zum Probenbeginn für das abendliche gemeinsame Konzert mit dem „Veurne Vocal Ensemble“ blieb zur freien Verfügung. Sie wurde genutzt, um sich die Stadt anzusehen, einzukaufen, abendessen zu gehen oder andere Aktivitäten zu entwickeln. Pünktlich zum Probenbeginn fanden sich die Chormitglieder im Kellergewölbe des Rathauses ein. Wie es sich vor einem solchen Auftritt gehört, waren die meisten ziemlich nervös. Zum einen fehlten wichtige Sängerinnen und Sänger in unseren Reihen, die, zumeist urlaubsbedingt, die Reise nicht mitmachen konnten. Zum anderen fürchteten einige Sänger, dass wir neben unserem Partnerchor, der hervorragend besetzt ist und durch seine anerkannte Qualität überregionale Bedeutung besitzt, nicht würden bestehen können. Aber schließlich setzte sich die Erkenntnis durch, dass wir hier nicht zum Wettsingen angetreten waren, sondern zur Mitgestaltung eines Musikabends für unsere belgische Partnerstadt. Kein Platz war im Konzertsaal mehr frei, als wir unter großem Beifall die Bühne betraten. Improvisieren mussten wir bei Stücken mit Klavierbegleitung, da der vorhandene Flügel nicht verrückbar war und im Rücken des Chores stand. In diesem Fall teilten sich der Chorleiter und der Vorsitzende die Arbeit: Einer dirigierte den Chor, der Andere spielte auf dem Flügel. Alle Sängerinnen und Sänger waren hochkonzentriert, wussten sie doch, dass sie die stimmlichen Lücken in ihren Reihen durch höchsten Einsatz wettmachen mussten. Der Chorleiter hatte bei der Auswahl der Vortragsstücke einen weiten musikalischen Bogen von geistlichen Chorälen zu weltlichen Liedern verschiedener europäischer Komponisten gespannt. Der Beifall fiel entsprechend üppig aus, und wir alle waren auch ein bisschen stolz auf uns.

Nach diesem etwa halbstündigen Vortrag war unser Partnerchor an der Reihe. Der noch recht junge und temperamentvolle Chorleiter trieb sein Ensemble zu musikalischen Höchstleistungen an. Bei jedem Takt war dem interessierten Musikliebhaber klar, wie viel Probenarbeit in den Darbietungen steckte. Es wurden Stücke aus Klassik und Moderne vorgetragen, ausnahmslos a-capella, wie es sich für ein Vocal-Ensemble gehört. Tosender Beifall nach der Zugabe beendete das Konzert, auf das sich beide Chöre lange Zeit und mit Sonderproben vorbereitet hatten. Aber die intensive Probenarbeit vieler Wochen hatte sich gelohnt, darin waren sich alle Sängerinnen und Sänger einig. Bei einem gemeinsamen Umtrunk mit dem „Veurne Vocal Ensemble“ in einem nahegelegenen Restaurant, leider bei fürchterlichem Regenwetter, fand dieser gelungene Abend seinen Ausklang.


Das imposante Gewölbe von St. Walburga, Veurne

So richtig ausschlafen konnten wir nicht, da der Reiseplan die musikalische Mitwirkung in der Hl. Messe am nächsten Tag vorsah. Die Kirche, in der die Messe stattfand, war uns bereits am Vortag von unserem „Fremdenführer“ gezeigt worden. Ursprünglich als größere Kathedrale geplant, besaß das Kirchenschiff gewaltige Ausmaße. Dort zu singen, das war uns allen klar, bedeutete eine Herausforderung für einen Chor von 25 Sängerinnen und Sängern, aber auch eine Ehre. Mit Begleitung des virtuos spielenden Organisten gestalteten wir das Proprium der Messe. Die größte Herausforderung bestand jedoch in gänzlich profanen Dingen, nämlich dem verletzungsfreien Erklimmen und Hinabsteigen des abenteuerlich gewundenen und extrem steilen Treppenaufganges zur Empore. Aber auch hier zeigte sich der bewährte und diesmal sprichwörtliche Zusammenhalt der Chormitglieder, der Schaden verhinderte. Nach dem abschließenden Phototermin vor dem Hauptaltar hieß es dann Abschied nehmen.



Doch führte uns der Weg zunächst an die nahegelegene Küste, nach Koksijde. Hier besichtigten wir die außerhalb des Stadtzentrums gelegene, moderne Kirche, die nicht nur durch ihre imposante Größe, sondern vor allem durch ihre prächtigen Glasfassaden besticht. Durch tausende bunter Glaselemente tritt das Licht ein und gibt dem hellen Kirchenraum einen besonderen Reiz. Nach der Besichtigung, noch auf dem Parkplatz unseres Busses, ließen wir es uns nicht nehmen, unserem Partnerschaftsbeauftragten Rainer Mauer zu seinem Namenstag ein „Hoch“ zu singen.
Dann brachte uns der Bus in die Innenstadt von Koksijde. Die verbleibende Zeit bis zur Abreise konnten zum Strandbesuch, zum Bummeln durch das Touristenzentrum oder auf andere Weise genutzt werden. Pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt fanden sich alle Rösrather wieder ein und traten die Rückreise an. Als wir am frühen Abend wohlbehalten am Veurne-Platz ankamen, waren wir uns einig: Die Reise nach Veurne hatte sich wirklich gelohnt, in jeder Hinsicht!
Franz Gheno

  

siehe auch: Abends in Veurne: Singen verbindet

Weitere Beiträge der 10. Ausgabe 2008



Küste bei Koksijde