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Journal-Archiv · Rösrather Partnerschaftsjournal · 11. Ausgabe Mai 2008

Gemeinsame Geschichte

Deutsche und Franzosen schreiben gemeinsam Geschichte. Das deutsch-französische Geschichtsbuch gibt es wirklich, zumindest der erste Band „Europa und die Welt seit 1945“ liegt vor, in der deutschen und in der französischen Fassung. Kaum zu glauben: zum ersten Mal lernen Schüler zweier Nationen Geschichte aus einem identischen Schulbuch, das aus der „Feder“ von jeweils 5 Historikern beider Länder stammt.

Grund genug, den mittlerweile 5. Deutsch-Französischen Dialog in Rösrath am Thema „Geschichte“ festzumachen Bei reger Diskussionsbeteiligung erlebten am 23. November 2007 rund 120 Teilnehmer eine Veranstaltung, die unter der erfrischenden Moderation von Barbara Cepielik vom Kölner Stadt-Anzeiger, spannende und differenzierte Akzente setzte. So äußerte sich Dr. Peter Geiss, Lehrer, Autor und Mitherausgeber des Geschichtswerkes, sehr beeindruckt von der lebendigen Diskussion und der Tatsache, dass sich Menschen unterschiedlichster Altersstufen mit Buch und Thema auseinandergesetzt haben. In der Tat hatten im Rahmen der Podiumsdiskussion rund 40 Teilnehmer das Buch erworben und bereits darin gelesen.


Deutsch-französischer Dialog

Übrigens der Vorschlag für ein gemeinsames Geschichtsbuch kam im Januar 2003 von den Vertretern des deutsch-französischen Jugendparlamentes. Seit Beginn des Schuljahres 2006/2007 wird der vorliegende Band im Unterricht eingesetzt, er entspricht sowohl den Lehrplänen der 16 deutschen Bundesländer als auch dem französischen Lehrplan.

In der Zusammenarbeit der deutschen und französischen Autoren- alle Lehrer - kam es, laut Peter Geiss selten zu Dissonanzen im Verständnis von Geschichte, Einigungsbedarf bestand jedoch hinsichtlich der anzuwendenden Lehrmethoden. Während deutsche Schüler es gewohnt sind, Informationen durch intensives Quellenstudium zu hinterfragen und zu beurteilen, geht es in Frankreich didaktisch mehr darum, Faktenwissen prägnant zu vermitteln. Das Unterrichtswerk liest sich nicht als Roman, die Texte sind knapp, werden jedoch durch die Vielzahl von Bilddokumenten, Zeitleisten, Schaubildern visuell veranschaulicht.

Wie beurteilen die Betroffenen, Schüler und Lehrer das Projekt? Klaus-Armin Pfiffer, Fachlehrer für Geschichte und Französisch am bilingualen Zweig des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Rösrath, sowie die Schüler/in : Elisa Kieschnick, Karsten Kuhnert (Leistungskurs Geschichte), Carsten Ritter, Friedrich Wöhlecke (Grundkurs Geschichte bilingual) hatten sich mit dem ersten Kapitel des Bandes zum Thema „Bilanz und Folgen des Zweiten Weltkrieges“ beschäftigt. Hier ihre Eindrücke: Von der optischen Aufmachung, der Methode und der Gliederung her wird das gemeinschaftliche Geschichtsbuch positiv beurteilt.

Deutliche Kritik besteht jedoch an der mangelnden Ausführlichkeit der Darstellung historischer Fakten und Zusammenhänge, an der Kürze und der Auswahl der zur Bearbeitung verfügbaren Quellenauszüge sowie an der geringen Verwendungsmöglichkeit für die Abitursvorbereitung. Letzteres vor dem Hintergrund des in NRW neu eingeführten Zentralabiturs. Herr Pfiffer bedauerte, dass die Anforderungen des Zentralabiturs in NRW Absicht und Ziele des deutsch-französischen Unterrichtswerkes eher konterkarieren. Wie auch immer: „Die Alten können es kaum fassen, die Jungen nehmen es gelassen!“ Der erste Band ist da, zwei weitere Bände folgen. Das mehrfach geäußerte Interesse an einer enzyklopädischen „Volksausgabe“ des deutsch-französischen Geschichtswerkes für Erwachsene sollte der Verlag Klett ernsthaft überdenken.

„Der Blick auf die europäische Identität“ darf nicht vergessen werden, so Olivier Duchatelle, Leiter des deutsch-französischen Robert-Schuman-Instituts in Bonn und Hochschulattaché der französischen Botschaft für NRW, in seinem Diskussionsbeitrag. Gemeinsame europäische Geschichtsbücher müssen nach seiner Ansicht die Vielfalt von Ereignissen hervorheben. Sie fördern damit auch den intelligenten Perspektivenwechsel von Geschichte.
Klaus Baldus

  

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Europa und die Welt seit 1945