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Städtepartnerschaft Rösrath

Journal-Archiv · Rösrather Partnerschaftsjournal · 14. Ausgabe November 2009

Zwei Tage in Brüssel

„On parle d’euroscepticisme, mais en tant que futur citoyen français et donc citoyen europeén, je me sentais loin d’appartenir à cette grande famille qu’est l’union européenne. Ce voyage m’a beaucoup apporté, il a profondément changé ma façon de voir l’Europe et tout ce qui l’entoure. C’est pourquoi, je tenais à remercier tous les organisateurs et mécènes de ce projet pour son aboutissement…“, schreibt Thomas Aubépart, 17-jähriger Schüler des “Lycée Sonia Delaunay, Villepreux, der Partnerschule Rösraths, in der Nähe von Saint-Nom-la-Bretèche. “Ich bin sehr glücklich, so viele neue Erfahrungen gemacht zu haben… Dieses Treffen war wirklich ein neuer Schritt zur europäischen Freundschaft und ich hoffe, dass so was noch öfter stattfinden wird“, bedankt sich Claire Verroul, 18-jährige Schülerin aus Kleineichen. Beide waren mit je 5 Mitschülern und den verantwortlichen Lehrern Isabel Gagnaire-Suzeau und Dr. Claus Hagenberg am 10.-11.9.09 vom Rösrather Partnerschaftskomitee zum Besuch des Europäischen Parlaments, der Hohen Kommission und der Vertretung NRW in Brüssel eingeladen worden.

Jugendliche in Brüssel

In verschiedenen Beiträgen, die im Folgenden nur gekürzt wiedergegeben werden können, schildern die Schüler ihre Eindrücke und schlussfolgern, dass alle Gespräche und Diskussionen ihr Verständnis europäischer Politik und Bedeutung der Institutionen sehr gefördert hat.

Marian Strack aus Forsbach berichtet über das Gespräch mit dem Europaabgeordneten Herbert Reul aus Wermelskirchen: „Die große Bandbreite der Themen und die aufgrund der verschiedenen Herkunft vielseitigen Interessen der Schüler machte das Gespräch zu einer intensiven und informativen Diskussion. Es lag im außerordentlichen Interesse aller Beteiligten, die erfahrenen Inhalte auf aktuelle Themen zu übertragen und einen praxisnahen Bezug herzustellen.“ Schon in diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass sowohl die Schüler aus Frankreich wie aus Deutschland einen umfangreichen Fragenkatalog vorab erarbeitet und über mich an Herrn Reul weitergeleitet haben.

Paul Bernadet aus Villepreux bewertet die Diskussion mit Herrn Reul folgendermaßen: “Cette rencontre avec celui-ci a également dissipé un de mes doutes concernant l’Union Européenne, à savoir qu’il n´ y avait point de réel débat d’idées et que l’Europe n’était qu’une institution consacrant la paix après la Seconde Guerre Mondiale et qu’elle n’était plus qu’un instrument pour renforcer le pouvoir économique des pays européens face aux Etats-Unis. Cependant les faits sont tout autres: Les pouvoirs concentrés dans l’Union Européenne engagent de fait des confrontations et des visions différentes sur les mesures à prendre au niveau européen. Une chose m’apparaît également comme une évidence suite à ce voyage: l’échelon national n’est plus prioritaire, et l’Union Européenne est plus décisive quant au devenir des Nations qui la composent que n’importe quel gouvernement national.”

Der Diskussion mit Herrn Reul folgte ein gemeinsames Mittagessen in der Kantine des Parlaments und eine Führung durch das Parlamentsgebäude und den Plenarsaal, von der die Rösrather Schülersprecherin Luisa Frackenpohl bewundernd berichtete. Das Gespräch in der Kommission mit Sören Haar, Referent für Bildung, Kultur und Information, begann mit einer Erläuterung der Organisationsstruktur und den Zuständigkeiten der Exekutivorgane und konzentrierte sich dann auf die Chancen junger, sprachgewandter Akademiker in einem wachsenden internationalen Dienstleistungssektor. In den einzelnen europäischen Behörden arbeiten z.Zt. etwa 29.000 Beamte und Angestellte. Hierzu schreibt Niklas Záboji aus Hoffnungsthal: “Man konnte erkennen, dass er (Sören Haar) jedem anwesenden Schüler verständlich machen wollte, wie wichtig Auslandsaufenthalte und Praktika heutzutage sind, oftmals wichtiger als Zeugnisnoten. Aus dem Vortrag wurde eine interessante Diskussion über gesellschaftliches Engagement, die Rolle von Parteien, Vereinen, Gewerkschaften und - nicht zuletzt - auch um die Rolle von Städtepartnerschaften.“

Suzon Bachet aus Les-Clayes-sous-Bois ergänzte: “Etant intéressée par la politique et l’Europe, la rencontre (dans la Commission) était une chance de discuter de quelque chose de concret, en particulier des langues en Europe. En effet, j’aimerais, à l’avenir, travailler dans le journalisme franco-allemand.“ Ein Besuch in der Vertretung des Landes NRW bei der EU rundete das Informationsprogramm ab. Marie-Josèphe Bidegaray, eine engagierte, französisch sprechende Mitarbeiterin, berichtete über die Aufgaben der Vertretung als Bindeglied zwischen europäischem Parlament und Kommission einerseits und Landesparlament, Behörden, Wirtschaftsverbänden u.a. in NRW andererseits.

Hannah Hübner aus Hoffnungsthal war beeindruckt von der Vielseitigkeit der Aktivitäten und schreibt: „Darüber hinaus ist die NRW-Vertretung ein kulturelles Zentrum. Mit Ausstellungen, Konzerten und Vorträgen bringt sie zum Ausdruck, dass das Bundesland NRW eine attraktive Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturregion ist. Für alle Interessenten in europapolitischen Fragen ist die Vertretung eine willkommene und sehr gefragte Anlaufadresse.“

Nach den vielen Eindrücken und Gesprächen blieb noch Zeit für eine Stadtbesichtigung, den Besuch uriger Lokale - Brüssel ist berühmt für seine Esskultur - und vor allen Dingen die Gelegenheit für beide Gruppen, sich näher kennenzulernen. Für die einen war der Besuch bei „Chez Léon“ mit Verzehr von Muscheln und Fritten der Volltreffer, für andere das Lichtermeer auf dem „Grand Place“, dem schönsten Platz von Europa. Laura Ritter aus Forsbach wiederum schwärmte von den „Pralinés Leonidas“ und belgischen Waffeln. „Wir fanden es alle toll, im Ausland zu sein, genauer gesagt im deutsch-französischen Belgien, wo keiner so ganz verloren, aber auch keiner zu Hause war“, resümierte Claire Verroul, deren Vater Franzose ist. „So kamen wir uns alle näher und spätestens beim gemeinsamen Essen war das Eis gebrochen.“ Die Berichte aller Teilnehmer, die leider in ihrer Länge und Ausführlichkeit nur ansatzweise wiedergegeben werden können, beweisen deutlich, dass die Zielsetzung des „Unternehmens Brüssel“ erreicht wurde; durch das Kennenlernen der europäischen Machtstrukturen, die Bedeutung der europäischen Gemeinschaft und ihrer Politik für die Zukunft des Kontinents einzuschätzen. Wie Niklas Záboji am Ende seines Beitrags im Kölner Stadtanzeiger treffend formulierte: “Europa in Zukunft, das sind wir.“
Horst Reuver

  


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