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Journal-Archiv · Rösrather Partnerschaftsjournal · 16. Ausgabe August 2010

Reibekuchen für Veurne

Eine Bitte abzuschlagen, gehört nicht zu den Stärken der im Folgenden erwähnten Hauptakteure. Aber als das Begehren an mich herangetragen wurde, für etwa 12.000 Personen Reibekuchen zu backen oder doch zumindest die Organisation hierfür zu übernehmen, verschlug es mir dann doch den Atem. Dabei war der Wunsch nachvollziehbar: Jeder Veurner sollte die Möglichkeit haben, einmal einen Reibekuchen nach bewährtem Familienrezept aus dem Hause Klönne genießen zu können. Als wir dann errechneten, dass bei dieser größten anzunehmenden Menge rund 1,2 Tonnen Kartoffeln und etwa 200 Flaschen Öl zu verarbeiten gewesen wären, zuckten wir doch merklich zusammen. Das Partnerschaftskomitee hatte ein Einsehen und wir einigten uns auf die Herstellung von 1.000 Reibe-kuchen (insgeheim erhöhten wir später auf 1.250, man weiß ja nie…).

Die Vorbereitung nahm uns bereits drei Wochen vorher in Anspruch und war „nicht ohne“. Zu transportieren waren:
- Reibekuchen-Pfanne so groß wie ein Billard-Tisch
- Reibekuchen-Reibe
- Zwei Gasflaschen
- Bänke, Tische, Klappstuhl, Zelt
- Schüsseln, Wannen, Tücher, Küchenrollen
- Deutschland-Fahne
- und natürlich Kartoffeln, Öl und Zutaten.
Die Aufzählung ist längst nicht abschließend; es wurde die Lang-Version eines Kleinbusses benötigt, um alles, die Lebensmittel natürlich gekühlt (Temperatur in Rösrath am 10. Juli 2010: 39 Grad), unbeschadet nach Veurne zu verfrachten.. Gepackt wurde am Vortag, die Lebensmittel verbrachten wir am frühen Morgen des 10. Juli 2010 in das Fahrzeug. Die Kühlung derartiger Mengen an Kartoffeln, Zwiebeln, Ei, etc. war entgegen unseren Befürchtungen kein Problem. Wir erfanden eine außerordentlich wirksame und dennoch verblüffend einfache Methode; sie gehört ab sofort zum geheimen Familien-Reibekuchen-Rezept!

Wir – Schwiegermutter und anerkannte Reibekuchen-Expertin, deren älteste Tochter, deren zweitälteste Enkelin und deren zweitältester Schwiegersohn- machten einander gegenseitig Mut und kamen bald zu dem Schluss, dass der miese Absatz keinesfalls auf die Qualität des Produkts zurückzuführen sei. Es braucht halt seine Zeit, bis der Reibekuchen im Ausland seinen Siegeszug hält. Immerhin waren alle, die ihn probiert haben, voll des Lobes. Ein Einziger wagte es, den nur angeknabberten Reibekuchen in die Mülltonne zu werfen. Nur kurz waren wir empört, denn sein ganzes Benehmen deutete darauf hin, dass es sich um einen Genuss-Banausen handelte; er kam uns gleich so komisch vor! Allerdings, und das muss betont werden, verloren wir zu keinem Zeitpunkt den Spaß an der Sache, auch nicht, als wir um 0:20 Uhr mit dem einstündigen Abbau begannen oder anschließend in einem Vierbettzimmer (mit Hochbetten) in der nahegelegenen Jugendherberge nächtigen mussten oder aber am nächsten Morgen der Kleinbus derart nach Reibekuchen duftete, dass ein (fettfreies) Durchatmen fast unmöglich wurde.


Die Reibekuchen-Expertinnen

Nun ganz im Ernst: Veurne hat uns wieder einmal gut gefallen und wir haben ganz bestimmt vielen Veurnern eine Freude machen können. Wir wurden außerordentlich freundlich und zuvorkommend empfangen und wir sind ganz sicher: Der Reibekuchen wird bald Freunde in ganz Belgien finden!
Franz Gheno

  


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