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Städtepartnerschaft Rösrath

Journal-Archiv · Rösrather Partnerschaftsjournal · 23. Ausgabe Dezember 2015

Große Reise zum kleinsten Fluss Frankreichs

Ende September 2015 führte uns die jährliche Kulturreise an die Alabasterküste in der nördlichen Normandie zwischen Le Havre und Le Tréport. Eine herrliche Landschaft mit 130 km Steilküste aus weißen Felsen, vielen kulturellen und kulinarischen Höhepunkten und eben auch dem kürzesten Fluss Frankreichs, der "Veule", die schon nach 1194 Metern von der Quelle in das Meer mündet.

Aber der Reihe nach. Gewohnt haben wir - eine fröhliche Gruppe von 40 französischen und deutschen Freunden - in St. Valérie-en-Caux, einer malerischen Kleinstadt mit großem Yachthafen. Nach der Begrüßung ging es mit dem Bus nach Fécamp, ebenfalls am Meer gelegen, wo wir das Palais Benedictine besuchten. Dies ist eine Mischung aus Palast und Museum aus dem späten 19. Jahrhundert, wo der berühmte Benedictine Kräuterlikör hergestellt wird. Natürlich durften wir nach der Führung auch den herrlichen Likör verkosten. Der alte Fischerhafen Fécamp hat auch eine der bedeutendsten Kirchen der Normandie, die riesige Benediktinerabtei Saint Trinité, die wir im Anschluss besichtigten.

Der nächste Tag führte uns nach Le Havre, dem größten Containerhafen Frankreichs mit großer wirtschaftlicher Bedeutung für das ganze Nordfrankreich. Die alte Hafenstadt mit großer Tradition wurde im 2. Weltkrieg sehr stark zerstört. Man beschloss nach dem Krieg, an der Stelle der früheren Altstadt einen völlig neuen, lange Zeit umstrittenen Konzept aus Beton zu errichten. Dem Architekten Aguste Perret gelang ein einheitliches Konzept für über 10.000 Wohnungen sowie Verwaltungsbauten und Geschäfte. Den Mittelpunkt bildet eine sehr beeindruckende moderne Kirche. Vor einigen Jahren wurde diese neue Innenstadt zum Weltkulturerbe ernannt, weltweit als einziges Stadtensemble des 20. Jahrhunderts. Das Museum für moderne Kunst André Malraux beherbergt die zweitgrößte Sammlung impressionistischer Gemälde in Frankreich. Le Havre ist auch eine grüne Stadt mit vielen Parks und hat mit dem Vorort Sainte Andresse auch einen mondänen Badeort. Das Seebad Etretat hat die spektakulärsten Kreidefelsen, bis zu 75 m hoch und mit bizzaren Formen wie die Felsnadel Aiguille d'Aval. Viele Künstler lebten hier, darunter Henri Matisse, der über 80 Gemälde dort malte.




Der Freitag begann mit dem Besuch des lieblichen Ortes Veule-les-Roses, wo die Veule auf ihrem kurzen Weg durch das Dorf mäandert und früher einige Mühlen angetrieben hat. Heute nutzt man das kristallklare Wasser für den Ambau von Brunnenkresse, zwischen der sich die Forellen tummeln. Direkt am Stand durften wir die köstlichen Austern mit einem Glas Wein genießen. Am Nachmittag besuchten wir Dieppe, eine normannische Gründung und heute ein bedeutendes Seebad und Touristenzentrum der Alabasterküste. Die Stadt wird überragt von der Burg, die heute als Museum dient. Wir nutzten den kleinen Touristenzug für eine Rundfahrt durch die Altstadt und staunten über die vielen historischen Gebäude und Kirchen. Zurück in St. Valérie-en-Caux genossen wir den festlichen Abend im Restaurant La Passerelle im Casino am Strand.

Samstag war leider schon Abrreisetag. Nach dem Frühstück ging es nach Eu - nicht in die Europäische Union, die Stadt heißt wirklich so! Hier war früher der Sitz der Grafen von Orléons, mit großem Schloss und Schlosspark. Die Stadt hat auch eine sehr wichrige Stiftskirche, genannt Notre Dame & St. Laurent, ein typisches Beispiel der französisch-normannischen Frühgotik. Sie wurde zu Ehren des irischen Bischofs und Missionars St. Laurent O'Toole gebaut, der dort auch bestattet ist. Zum Abschluss durften wir noch ein hervorragendes Mittagessen in der Domaine de Joinville genießen, einem ehemaligen Jagdschloss am Stadtrand von Eu.

Die Reise wird allen Teilnehmern in allerbester Erinnerung bleiben und die Freundschaft unter den Partnerstädten weiter vertiefen. Unser großer Dank gilt unseren französischen Freunden, allen voran Margaret de Fraiteur für ihre wunderbare Planung und Organisation
Kurt Küsgen

  



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